Mit den ersten Frühlingsgefühlen kommt die Lust hoch, endlich mal wieder was Neues auf den Blog zu veröffentlichen. Krabbelndes zu finden ist allerdings noch schwierig, nicht mal die Hunde haben Flöhe zurzeit.

Aber solange auch noch keine Blätter an den Bäumen sind, kommen andere Lebewesen zur Geltung: Flechten. Darum dachte ich, ich berichte heute mal über sie:

Flechten bestehen aus Pilzen und Algen, die eine Symbiose bilden.

Beide Seiten tauschen sehr eng Stoffe aus, die Alge produziert, der Pilz beherbergt. Die Flechten nehmen Nährstoffe nicht über Wurzeln auf, sondern über Haftfasern, mit denen sie sich auf Steinen oder Bäumen festhalten. Sie beziehen ihre einzigen Nährstoffe aus Luft, Regen, Nebel und Schnee. Anders als höhere Pflanzen besitzen sie keine Wachsschichten oder Spaltöffnungen, die ihnen ermöglichen, die Nährstoff- (und Fremdstoff-)zufuhr zu regulieren. Dadurch reagieren Flechten schon auf die kleinste Beeinträchtigung durch Luftverschmutzung. Da ihr subtiles Gleichgewicht sehr störungsanfällig ist, können sie so als Bioindikatoren für Luftverschmutzung eingesetzt werden – sie fungieren wie lebende Messgeräte. Schon im 19. Jahrhundert kannte man die Luft-Empfindlichkeit der Flechten.

Je nach Stärke der Belastung verkümmert sie, verändert ihre Farbe oder stirbt gänzlich ab. So findet man z.B. in Stadtzentren und in Industriegebieten Flechtenwüsten. Anhand von Flechtenkarten kann die Expositionssituation dargestellt werden.

(Meine Informationsquelle: Karl Fent, „Ökotoxikologie“, Thieme, 4. Auflage, 2013.)